„Nur eine nachhaltige Bank ist fit für die Zukunft“

Nachhaltigkeitsaspekte nur zu kommunizieren reicht noch lange nicht aus. Vielmehr sollten diese konkret mit Leben gefüllt und gezielt in Geschäftsprozesse eingebunden werden. Wie sich Banken dem komplexen Thema Nachhaltigkeit konsequent annähern und warum Vorstände eine Schlüsselrolle einnehmen, erläutert Berenike Wiener, Direktorin Strategie / Head of CSR and Sustainable Finance, Evangelische Bank eG und ADG-Dozentin, im Interview.

Nachhaltigkeit ist kein Feigenblatt, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Zumal die Anforderungen wachsen. Wie sehen diese aktuell aus?

Wiener: Aus dem regulatorischen Umfeld für Banken ergibt sich aktuell eine Mischung aus aufsichtsrechtlichen Empfehlungen und absehbaren zukünftigen Transparenzanforderungen. Zum einen hat die BaFin Ende Dezember 2019 ein „Merkblatt zum Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken“ veröffentlicht. Dieses Merkblatt dient als Orientierungshilfe für Banken, Versicherer und Kapitalverwaltungsgesellschaften. Es beschreibt wie die Integration von Nachhaltigkeitsrisiken in die bestehende Prozesslandschaft und in einzelnen Geschäftsbereichen erfolgen könnte. Die BaFin betont aber auch, dass sie es von den beaufsichtigten Unternehmen erwartet, sich mit Nachhaltigkeitsfaktoren, d.h. Faktoren in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, auseinanderzusetzen. Zum anderen muss die EU-Ebene im Blick behalten werden, wo Sustainable Finance wachsende Bedeutung hat. Hier kommen allein durch die Taxonomie-Verordnung und die Offenlegungs-Verordnung, um nur zwei Beispiele zu nennen, neue Transparenzanforderungen auf die Finanzmarktteilnehmer zu. Dabei wird Nachhaltigkeit klar in den Fokus gerückt, was u.a. im Green-Deal-Vorhaben von Kommissionspräsidentin von der Leyen deutlich wird. Uns Banken werden auch weiterhin die Chancen und Risiken aus dem Klimawandel und dessen Folgen intensiv beschäftigen und viele Geschäftsprozesse, insbesondere bei der Kreditvergabe und in der Kapitalanlage, verändern.


Das Thema seit jeher im genossenschaftlichen Bankenmodell verankert. Warum tun sich viele Banken schwer damit, nachhaltige Aspekte mit Leben zu füllen?

Wiener: Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist in der Tat im genossenschaftlichen Bereich sehr präsent. In der Vergangenheit wurde Nachhaltigkeit ausschließlich mit Langfristigkeit gleichgesetzt. Das mag in Teilen immer noch zutreffend sein. Nachhaltigkeit hat aber viele Facetten und muss vor allem in Bezug auf Klima- und Umweltbelange konkreter gefasst werden. Nachhaltigkeit deckt nach wie vor die Förderung von sozialen Einrichtungen, das Engagement für Kunden und MitarbeiterInnen oder die Unterstützung des Breitensports ab, aber die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsrisiken in der Kreditvergabe oder in den Bereichen der Finanzberichterstattung und des Risikomanagements ist neu und komplex. Die Komplexität ist nicht zu unterschätzen, denn es betrifft die Veränderung bestehender Prozesse und der sich im Einsatz befindlichen Tools wie auch die Beschaffung und Bewertung von z. B. umweltbezogenen externen Daten.


Wo sollten aus Ihrer Erfahrung Institute ansetzen?

Wiener:  Am besten anfangen und einen Schritt nach dem anderen gehen. Zum Beispiel hat die Evangelische Bank – entsprechend ihrem Selbstverständnis als DIE Nachhaltigkeitsbank – für die umfassende Integration von Klima- und Umweltaspekten im Geschäftsmodell eine Klimastrategie verabschiedet, die auf strategischen Zielen basiert. Aus denen wurden wiederum sechs Klimaleitsätze für Vorstand, Führungsebene und allen Mitarbeitenden abgeleitet. Auch sind nach heutigem Stand bereits über 40 Einzelmaßnahmen definiert, die wir in den Handlungsfeldern Betriebsökologie, Finanzierungen, Kapitalanlagen, Kommunikation und Risikomanagement ehrgeizig umsetzen werden.


Welche Rolle hat der Vorstand im Umsetzungsprozess?

Wiener: Eine entscheidende Rolle! Bei der Integration von Nachhaltigkeitsrisiken und dem Umgang mit Nachhaltigkeitsfaktoren allgemein sind strategische Entscheidungen notwendig. Die BaFin empfiehlt zum Beispiel in ihrem Merkblatt, den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken in eine eigenständige Strategie zu überführen oder in die bestehenden Strategien einzupassen. Auch unabhängig von dieser Empfehlung sollte der Vorstand involviert sein, weil es neben der strategischen Ausrichtung auch um die Unternehmenskultur und die glaubhafte Weiterentwicklung von Prozessen, Produkten und Dienstleistungen geht und dadurch die Zukunft des Hauses gesichert wird. Nur eine nachhaltige Bank ist fit für die Zukunft. Bei der Evangelischen Bank hat der Gesamtvorstand die Nachhaltigkeitsstrategie und die kürzlich verabschiedete Klimastrategie verabschiedet. Der Gesamtvorstand steht voll und ganz hinter der EB-Nachhaltigkeits- und EB-Klimastrategie – ohne eine solche Rückendeckung geht es nicht.


Die Evangelische Bank bietet ein Klimaplakat mit allen wichtigen Informationen rund um das Risikomanagement von Klima- und Umweltrisiken an und begrüßt den Dialog mit anderen Genossenschaftsbanken www.eb.de/klimastrategie 

Weitere Beiträge zum Thema Nachhaltigkeit:

ADG Business School:

Wissen für eine nachhaltige  Wirtschaftsordnung

VR Bank Südliche Weinstraße-Wasgau:

Zertifikat für nachhaltiges Banking